Willy Kurth

Die Aktion „Entartete Kunst“ 1937 im Berliner Kupferstichkabinett.
Kustos Willy Kurth rettet Meisterblätter der Moderne (Arbeitstitel)

Das ursprünglich auf die Biographie von Willy Kurth (1881–1963), Kustos für die Moderne im Berliner Kupferstichkabinett, und dessen Rettung von Meisterblättern vor der Beschlagnahme als „entartete Kunst“ 1937 gerichtete Forschungsvorhaben wurde im Zuge der Recherchen erweitert zu einer Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Eingriffe in die Sammlung des Museums im Jahr 1937.
Aufgrund der nach 1945 erfolgten Teilung in ein Ost- und Westberliner Kabinett und der seitens der Ostbehörden untersagten Zusammenarbeit wurde eine gültige Darstellung der Ereignisse erst nach der politischen Wende möglich.

Auf dem Gebiet der Druckgraphik war das Berliner Kupferstichkabinett bis 1937 – und dank Willy Kurth auch darüber hinaus – die beste und umfangreichste Sammlung zur Moderne in ganz Deutschland. Entsprechend rigoros gingen hier die NS-Beauftragten zur Durchsetzung der NS-Konfiszierungsmaßnahmen vor – die Datei zum „Beschlagnahmeinventar ‚Entartete Kunst‘“ der Freien Universität Berlin verzeichnet für das Kupferstichkabinett Berlin 713 Werke.

Dennoch gelang es Willy Kurth – ohne Wissen des Museumsdirektors –, mehr als 700 Werke vornehmlich der Brücke-Künstler, ebenso von Nolde, Beckmann, Barlach, Lehmbruck, Kubin, Picasso und weiteren Modernen für das Kupferstichkabinett zu bewahren. (Bislang wurde die Rettung pauschal von 50 bis 100 Werken überliefert.)

Über die im Zentrum des Forschungsvorhabens stehende Rettungsaktion hinaus wird Kurths vielfältige Tätigkeit in 33 Jahren im Kupferstichkabinett (1913–1946) sowie die Atmosphäre innerhalb des Museums während der Nazizeit beleuchtet.
Dem späteren Wirken von Kurth als Generaldirektor von Sanssouci und Professor für Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität (1946–1963) wird ein spezieller Beitrag gewidmet.

Detaillierte Werklisten sowohl zu den beschlagnahmten als auch zu den vor der Konfiszierung bewahrten Werken mit Provenienzen ergänzen das mehrjährige Projekt.

Das Projekt wird von Frau Dr. Anita Beloubek-Hammer durchgeführt.