Haus Möller in Zermützel

Das Haus Möller entstand 1937/38 nach Plänen des Architekten Hans Scharoun für Ferdinand Möller und seine Frau. Das Grundstück bot mit seiner Hanglage und dem weiten Blick über den Zermützelsee besondere Voraussetzungen, zugleich musste Scharoun seinen Entwurf mehrfach an die baupolizeilichen Vorgaben der Zeit anpassen. Aus diesen Bedingungen entwickelte er ein Wohn- und Atelierhaus, das sich bewusst von einer streng axialen oder symmetrischen Architektur löst und stattdessen auf die Topografie, die Landschaft und die individuellen Bedürfnisse seiner Bewohner reagiert.

Charakteristisch ist die enge Verbindung von Haus und Umgebung. Das Gebäude öffnet sich mit großen Fensterflächen und der Terrasse zum See hin, während sich die Fassade deutlich geschlossener zeigt. Der Baukörper folgt der Bewegung des Geländes; Innen- und Außenräume greifen ineinander und machen die Landschaft zu einem wesentlichen Bestandteil der Architektur.

Die Gestaltung des Gartens übernahm der Gartenarchitekt Hermann Mattern, dessen Planung das Zusammenspiel von Architektur und Landschaft zusätzlich unterstreicht.

Das Haupthaus

Im Inneren entwickelte Scharoun keine traditionelle Abfolge klar voneinander getrennter Zimmer. Vielmehr sind die Räume über unterschiedliche Höhen, Blickachsen und fließende Übergänge miteinander verbunden. Wohnraum, Essplatz, Arbeitsbereich und Terrasse bilden ein räumliches Gefüge, das zugleich Offenheit und Rückzug ermöglicht.

Eine besondere Rolle spielt der zentrale Wohnbereich mit seinem geschwungenen Sofa und der Orientierung zum Garten und zum See. Fenster dienen dabei nicht nur der Belichtung, sondern werden gezielt eingesetzt, um bestimmte Ausschnitte der Landschaft zu rahmen. Auch Materialien und Einbauten unterstützen die differenzierte Raumwirkung. Die Architektur folgt damit weniger einem abstrakten Grundrissschema als den Bewegungen und Tätigkeiten der Bewohner: Das Haus wird als eine Folge unterschiedlicher, miteinander verbundener Lebensräume erfahrbar.

Der Anbau

Nachdem das Berliner Wohnhaus der Familie Möller 1943 zerstört worden war, zog die Familie dauerhaft nach Zermützel. Der dadurch entstandene Bedarf an zusätzlichen Wohnräumen führte zu einer Erweiterung des Hauses.

Der Anbau ist durch einen großzügigen, offenen Wohn- und Essbereich geprägt. Große, vielfach unterteilte Fenster öffnen den Raum zum Garten und beziehen die umgebende Landschaft unmittelbar in den Innenraum ein. Besonders charakteristisch ist die weich geschwungene Deckengestaltung, die dem Raum trotz seiner Größe einen eigenständigen, beinahe organischen Charakter verleiht. Unterschiedliche Raumhöhen und Niveaus gliedern den offenen Grundriss: Der Wohn- und Essbereich geht über wenige Stufen in die höher gelegene Küche über, während weitere Räume über einen anschließenden Flur erschlossen werden. So entsteht auch hier keine streng abgeschlossene Raumfolge, sondern ein differenziertes Zusammenspiel von offenen und funktional gegliederten Bereichen.

Heute befindet sich das Haus Möller im Eigentum der Ferdinand-Möller-Stiftung. Es wird für unterschiedliche Zwecke im Zusammenhang mit der Arbeit der Stiftung genutzt. Dabei bleibt sein besonderer architektonischer und historischer Charakter gewahrt.

© für alle Fotos: Markus Hilbich